Reisen // London: Musicals & Theater

Plus Size by Nature Reisen London Musicals Theater

Lange habt ihr gewartet, jetzt  kommt der zweite Teil meines London Reiseberichts (hier der erste Teil). In diesem Blogpost möchte ich euch erzählen, welche Musicals und Theaterstücke ich mir auf meiner London Reise angeguckt habe. Aber was noch   viel wichtiger ist, wie sie mir gefallen haben.

Insgesamt habe ich mir auf meiner Reise im Mai zwei Theaterstücke und vier Musicals angesehen. Ich werde diese einfach chronologisch, also in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen habe, beschreiben und bewerten.

 

Den Anfang machte das Theaterstück „The Great Gatsby“, welches im eigens dafür hergerichteten Gatsby’s Drugstore aufgeführt wurde. Das Theater liegt nahe der Tube Station Borough und somit südlich der Themse. „The Great Gatsby“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des Autors F. Scott Fitzgerald und spielt in einem New Yorker Nachtclub der 1920er Jahre. Als Zuschauer ist man sofort Teil dieses bunten und kostümgewaltigen nächtlichen Treibens, weil das Schauspiel nicht auf einer Bühne stattfindet, sondern auf gleicher Ebene mit den Zuschauern. Wobei Zuschauer hier nicht das richtige Wort ist, man wird zum Gast der Party des Millionärs Jay Gatsby.

Sobald man sich auf die ganze Szenerie einlässt, findet man sich in einer Zeit wieder, die durch die Prohibition und dem wirtschaftlichen Wachstum der USA geprägt ist. Man wird Zeuge von Dekadenz, Ausschweifungen und Idealismus, aber auch der sehnsüchtigen Liebe, die Jay für seine Jugendliebe Daisy hegt. Daisy ist ebenfalls Gast auf der Party und das Theaterstück macht es möglich, dass man Einblicke in die diversen Sichtweisen der Hauptcharaktere bekommt, je nachdem welchen Handlungsstrang man als Zuschauer aktiv verfolgen möchte. Man begleitet die Schauspieler in verschiedene Räume, wo sie ihre Sicht der Ereignisse erzählen. Somit erlebt man das Schauspiel, ohne es je komplett gesehen zu haben.

Mir hat das interaktive Konzept dieses Theaterstückes sehr gefallen, da ich es so nicht kannte und erwartet habe. Leider hatte ich mich im Vorfeld nicht über das Theaterstück erkundigt, sodass ich etwas überfordert von dem Mitmachen war. Ich hatte einen vollgepackten Rucksack dabei, war den ganzen Tag durch London gelaufen und war auch nicht im Gatsby Stil angezogen. Somit konnte ich nicht mit dem Stück verschmelzen, sodass ich mich unwohl auf dieser Party gefühlt habe. Mein Gefühl des Abends lag also nicht an dem Theaterstück an sich, sondern an mir. Ich möchte es mir gerne noch mal angucken und es neu erleben. Beim nächsten Mal werde ich mich besser vorbereiten und vielleicht auch nicht alleine kommen, denn „The Great Gatsby“ lädt dazu ein, eine Party mit Freunden zu feiern.

Nur wenige Tage später hab ich mir das Erfolgsmusical „Mamma Mia“ im Novello Theater angesehen. Das Abba Musical wurde 1999 das erste Mal in London aufgeführt und knapp 20 Jahre später habe ich es auch endlich geschafft es mir anzusehen. Ich hatte es vorher nicht in Deutschland gesehen, da ich die Abba Songs im englischen Originaltext hören wollte und nicht eingedeutscht.

Die Handlung des Musicals ist schnell erzählt: Sophie lädt zu ihrer anstehenden Hochzeit ihre drei möglichen Väter ein. Die Hochzeit soll auf einer kleinen griechischen Insel stattfinden, wo Sophie zusammen mit ihrer Alleinerziehenden Mutter ein Hotel führt. Sophie weiß nicht, wer ihr Vater ist, findet jedoch ein Tagebuch ihrer Mutter, in dem drei mögliche Väter genannt werden. Im Namen ihrer Mutter lädt Sophie die drei Herren ein und will im Rahmen der Hochzeitsvorbereitungen herausfinden, wer ihr Vater ist und sie somit zum Altar führen kann.

„Mamma Mia“ überzeugt durch die Hits von Abba, die einem nicht mehr aus dem Ohr gehen und ein breites Lächeln auf die Lippen zaubert. Am besten hat mich die Darstellung des Charakters Rosie gefallen. Rosie ist die dicke Freundin von Donna, Sophias Mutter. Für mich war es ein Genuss zu sehen, wie Rosie ihre Kurven rhythmisch zu den Abba Lieder bewegte, sich selber nicht zu ernst nahm und das Publikum zum Tosen brachte durch ihren Witz, Beweglichkeit und ihre sympathische Ausstrahlung. Das Musical hat mir, als Plus Size Frau, Power gegeben. Ich fühlte mich stark und toll, weil ich hier erlebt habe, wie die Figur der Rosie zum unerwarteten Publikumsliebling erwuchs.

Was soll ich sagen, das „Phantom der Oper“ ist mein Lieblings-Musical. Ich kann mich noch so gut daran erinnern, wie meine Eltern es vor vielen vielen Jahren das erste Mal gesehen haben und seitdem die Musik immer und immer wieder in meinem Elternhaus gespielt wurde. Ich bin quasi mit der Musik aufgewachsen und war mit dem Musical schon bevor ich es jemals gesehen hatte, emotional verbunden. Seither habe ich es schon einige Male in Deutschland gesehen und nun während meiner London Reise auch auf englisch.

Paris 1870. Während der Proben zu Hannibal passieren merkwürdige Unfälle auf der Bühne. Verantwortlich für diese Unfälle ist das Phantom der Oper. Die Primadonna Carlotta weigert sich, ihren Part weiter zu singen. Kurzerhand wird das Ballettmädchen Christine als Ersatz genommen, die in der Gunst des Phantoms steht. Während der Vorstellung wird Christine von ihrem Kinderfreund Raoul entdeckt, der sie nach der Aufführung in ihrer Garderobe besucht. Das Phantom ist eifersüchtig auf Raoul und will Christine für sich alleine haben. Eine tragische Liebesgeschichte mit phänomenaler Musik, Kostümen und Bühnenbild.

Auch die Londoner Inszenierung hat mich voll und ganz in ihren Bann gezogen. Für mich spielt die Sprache hier keine Rolle, denn dieses Musical ist universal und ganz tief in meinem Herzen.

Was ich jedoch bemängeln muss, ist der Umstand, dass mein Sitz oben im Balkon zu eng für mich gewesen ist. Deshalb habe ich die Vorstellung über auf dem Boden gesessen. Das nächste Mal werde ich einen Platz im Parkett nehmen.

Das Musical „Motown“ zeigte die Geschichte des legendären Platten Labels Motown Records. Der schwarze Songschreiber Berry Gordy gründete 1959 in Detroit das Musik Label und schrieb fortan amerikanische Musikgeschichte, denn erstmals stellte der Erfolg schwarzer Künstler den ihrer weißen Kollegen in den Schatten. Zu den bekanntesten Motown Künstler zählten Marvin Gaye, Diana Ross, Stevie Wonder, Four Tops, Michael Jackson und Lionel Richie. Nach Jahrzehnten des Erfolges fuhr Motown ab Mitte der 1980er kontinuierlich Verluste ein, und im Juni 1988 sah sich Gordy gezwungen, sein Lebenswerk zu verkaufen.

Das Musical führt dabei anschaulich durch die Entwicklungsphasen des Musik Labels anhand der Hits seiner Künstler. Dabei ist es unterhaltsam und kurzweilig. Leider hat es für mich keine magischen Momente gehabt, auch wenn es voller Hits steckt.

Das letzte Musical auf meiner London Reise sollte „Dreamgirls“ sein. Den dazugehörigen Film hatte ich nicht gesehen, hatte aber ungefähr eine Ahnung, dass es über die Karriere einer Girlgroup aus den 1960er Jahren handelt. „Dreamgirls“ wird im Londoner Savoy Theatre aufgeführt.

Ich hatte mir eine Mittagsvorstellung rausgesucht, um das Musical zu sehen. Durch den Stau auf den Straßen und dem Umstand, dass ich mit dem Bus gefahren bin, wäre ich beinah zu spät zu der Vorstellung gekommen. Und wenn die Türen einmal zu sind, wird auch niemand mehr reingelassen, um die Show nicht zu stören. Ich hatte echt Glück, eine der Angestellten führte mich persönlich durch die wirren Gänge des Theaters zu meinem Platz im Parkett. Dies geschah auch keine Minute zu spät; ich saß und die Show ging los.

Die Lieder von „Dreamgirls“ waren bis auf wenige Ausnahmen für mich leider keine Ohrwürmer. Aber dieser Umstand wurde mehr als wett gemacht durch die tollen Kostüme und die intensive schauspielerische Leistung. Ich konnte jede Emotion, die der Hauptcharakter Effie durchlebte, spüren. Ich spürte ihre Liebe zu diesem Mann, ihre Freundschaft zu ihren Mädels sowie ihre Leidenschaft fürs Singen. Auch ihre Trauer, nicht genug zu sein und ihre Wut über den Verrat an ihr fühlte ich mit. All diese Emotionen hatte ich irgendwie selber schon mal durchlebt und die Szenen auf der Bühne zeigten mir wie ein Spiegel mein eigenes Handeln auf und ich verstand.

Auch der Star dieses Musicals war wieder eine dicke Frau, die selbstbewusst, stark und mutig ist. Die Rolle der Effie hat mich inspiriert, mehr zu mir zu stehen und meinen Weg zu gehen. Von daher war das Musical „Dreamgirls“ für mich eine große Überraschung und ich bin nach der Vorstellung nachhaltig begeistert aus dem Theater gekommen.

Das Theaterstück „Woman in Black“ ist ein wahrer Klassiker auf den Londoner Bühnen und kommt dabei mit nur zwei Schauspielern aus. Diese beiden schafften es aber, dass ich am ganzen Körper Gänsehaut hatte. Sie ließen die Gruselgeschichte um den Geist einer verstorbenen Frau in meiner Vorstellung so real werden.

Aber nun ganz zum Anfang der Geschichte, ihr kennt die Handlung des Theaterstücks nicht. „Woman in Black“ handelt von einem englischen Anwalt, der den Nachlass einer wohlhabenden Frau verwalten soll. Dafür reist er von London in ein abgelegenes Küstendorf. Dort wird er von den Dorfbewohnern nicht willkommen geheißen, da sie den Geist der verstorbenen Frau fürchten und alles was damit zu tun hat. Tagsüber bearbeitet der Anwalt die Papiere der Verstorbenen und dringt immer weiter in die Familiengeschichte vor. Des Nachts wird er dann von seltsamen Geräuschen heimgesucht und auch ihm erscheint der Geist.

Das Stück „Woman in Black“ hat mich schwer beeindruckt, da es so anschaulich zeigt, was im Theater alles möglich ist, wenn man sich darauf einlässt. Um der Inszenierung gut folgen zu können, sollte man jedoch über einen guten englischen Wortschatz verfügen.

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