Women // Weltfrauentag – Blumen oder Gleichberechtigung?

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Am 8. März war Weltfrauentag. Ein Tag, der zur Zeit um den ersten Weltkrieg entstand und seitdem für die Gleichberechtigung von Mann und Frau, das Wahlrecht von Frauen und die Emanzipation von berufstätigen Frauen steht. Seit 1919 dürfen Frauen in Deutschland wählen, ein erstes Ziel der deutschen Frauenbewegung somit geschafft. Während der Weimarer Republik kamen Ziele hinzu, wie Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnkürzungen, regelmäßige Schulspeisungen und der legale Schwangerschaftsabbruch.

Dass diese Forderungen schon knapp hundert Jahre alt sind, scheint dabei verwunderlich, da sie sich doch so aktuell anhören. Der Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland immer noch nicht legal, man stellt in lediglich nicht mehr unter Strafe.
Aber wenn man gerade die Debatte um den Paragrafen 219a StGB verfolgt, in dem die Werbung für den Abbruch einer Schwangerschaft mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft wird, sollten wir uns zu Recht fragen, was aus der Verwirklichung der hundert Jahre alten Forderungen der Frauenbewegung in Deutschland passiert ist.

Für diese Inventur in Sachen Gleichberechtigung dient beispielsweise der Weltfrauentag. Doch wir lassen uns lieber Blumen schenken von Männern, denen der Valentinstag zu kitschig erscheint.
Aber wir feiern unsere Weiblichkeit. Am liebsten auf Instagram in knapper Unterwäsche. Dazu werden dann lauthals Lieder von Beyoncé oder den Spice Girls gesungen.
Autohäuser bieten zur Feier des Tages Probefahrten für spritzige junge Frauen an und andere erzählen, warum sie stolz sind, eine Frau zu sein.
Euer Ernst??? Was war euer Zutun zum Frausein? Seid ihr als Mann geboren worden, habt dann schnell eine Zeitmaschine gebaut, seid dann in euer Zeugungsjahr zurückgereist und habt eure Eltern davon überzeugt, dass ihr doch lieber eine Frau wärt?
Ich schätze mal nicht. Sorry Girls, es war Zufall.
Genauso Zufall, wie – sagen wir mal – der Umstand in Deutschland geboren geworden zu sein. Jetzt erhält der Stolz auf einen Zufall durch Geburt doch einen kleinen Beigeschmack, oder?

Und wenn ich dann noch höre, dass Frauen (meist kinderlose Frauen) sich darüber freuen, dass sie Leben schenken können, dann frage ich mich auch hier, ob sie sich a) selbst befruchten können b) den zukünftigen Sohn Gottes in sich tragen oder einfach nur c) in einem Rollenbild von 1933 stecken?
Funfact am Rande: Während der NS Zeit war der Frauentag verboten. Adi feierte stattdessen lieber Muttertag.

Dann hab ich auch noch Statements gehört auf die Frage, warum frau stolz sei, eine Frau zu sein. Die Antwort: weil man sich als Frau so schön zu recht machen kann und mit seiner Weiblichkeit spielen kann. Mädels, was ist mit euch los??? Das ist kein Privileg einer Frau! Selbst Olivia Jones spielt mit ihrer Weiblichkeit und macht sich täglich besser zurecht, als ich es je schaffen werde!

Warum feiert ihr den Release eines Kisskits mehr, als die Möglichkeit für euch selber einzutreten? Oder ist das eure Solidarität mit Girlbosses wie Farina, Pamela und Co.?

Wusstet ihr, dass wir Frauen in Deutschland immer noch durchschnittlich 20% weniger verdienen als Männer? Für den gleichen Job, mit der gleichen Qualifikation. Es gibt mehr Männer, die den Namen Thomas tragen, in deutschen Vorständen als dass es überhaupt Frauen in Vorständen gibt! Am Weltfrauentag sollten daher eigentlich lieber alle Thomase sich selbst feiern und stolz sein, ein Thomas zu sein, da ihre Wahrscheinlichkeit Karriere zu machen und richtig Kohle zu verdienen, höher ist als die jeder Frau in Deutschland.

Wusstet ihr, dass jede zweite Frau über 15 Jahren in Deutschland bereits Opfer von sexueller Belästigung geworden ist? Also wenn euch, noch nie ein Mann auf euren Körper reduziert hat, euch wie Fleisch behandelt hat, an Stellen angefasst hat, wo ihr es nicht wolltet, dann guckt die Frau neben euch an und zählt leise bis zwei und seid dankbar dafür, dass der Kelch an euch noch vorbei gegangen ist.
Und wenn noch eine Frau neben euch ist und euch freundlich anlächelt, dann feiert sie für ihre Stärke und Kraft, weil sie statistisch gesehen, mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt gewesen ist. Sie hat möglicherweise Schläge und Penisse ertragen müssen, wo diese niemals hätten ihren Körper berühren sollen.

Diese Sachen hätte ich lieber am Weltfrauentag gehört. Damit wenigstens an diesem Tag ein Bewusstsein geschaffen werden kann, dass noch nicht alles so wunderbar und rosarot ist, wie wir es gerne hätten.

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