Ahoi // Body Positivity vs. Bodyshaming (PULS Reportage)

Jana im Fernsehen

Mein ersten Mal so richtig im TV. Ein ganzer Beitrag, der sich um das Thema Body Positivity dreht und ich als Beispiel dafür. Was soll ich sagen, ich freue mich riesig darüber, dass ich für diesen Beitrag der Sendung PULS vom Bayerischen Rundfunk ausgewählt worden bin.

Wie ich es euch ja bereits in meinem vergangenen Post „Ahoi April“ angekündigt hatte, hat mich Anfang April der Bayerische Rundfunk besucht. An meiner Seite war zur Verstärkung die liebe Sandra dabei, um mich a) moralisch zu unterstützen b) zu bezeugen, dass der Dreh wirklich passiert und c) alles fotografisch zu dokumentieren.

Als ich für die Sendung Puls angefragt worden bin, habe ich das als Chance gesehen. Als Chance für mich, um meine Reichweite zu erhöhen, erste TV Erfahrung zu sammeln und etwas zu meinem Herzensthema Body Positivity zu erzählen und beizutragen.

Umfrage

Dann lief also die Sendung. Sie zeigte nicht nur mich, sondern enthielt auch eine Umfrage.

Hierzu wurde die Moderatorin Ariane sitzend in einem weißen T-Shirt vor einem gelben Hintergrund fotografiert. Dann wurde ein zweites Bild in der gleichen Machart erstellt, auf dem nicht Ariane, sondern eine korpulente Frau abgebildet worden ist.Als nächstes wurde das Gesicht von Ariane auf den Körper der anderen Frau montiert. Es gab nun zwei Varianten von Ariane – eine dicke und eine dünne Ariane.
Mit diesen zwei Bildern befragte Moderator Sebastian Passanten in der Fußgängerzone und Kinder einer Grundschulklasse. Die Passanten und Kinder sollten den zwei Varianten von Ariane einen Beruf zuordnen. Der dünnen Ariane wurden häufiger Berufe wie Ärzte oder Architekten zugesprochen als der dicken Ariane. Diese wiederum wurde öfter für eine Reinigungskraft oder Pfördnerin gehalten.

Dann wurden die Passanten nach Eigenschaften gefragt, die sie den beiden Aris zuschreiben würden. Dabei wurde die dünne Ariane häufiger für willensstark und intelligent gehalten. Ihrer dicken Version eher als faul und willensschwach. Zusammenfassend kann man festhalten, dass der dünnen Ariane die besseren Berufe und Eigenschaften zugeschrieben werden.

Feedback zu der Umfrage

Nicht persönlich hat das Ergebnis und die Reaktion der Passanten und Kinder auf dieses Experiment nicht verwundert. Dies ist wohl auch zu einem Großteil der Machart der Fotos geschuldet, die das Ergebnis der Umfrage massiv beeinflusst hat.
Vielmehr hat es mich zum Nachdenken angeregt.  Die Meinungen zu der Umfrage, die ich im Internet gelesen habe, aber auch die, die persönlich an mich herangetragen worden sind, haben mich dazu bewogen, diesen Blogpost nun anders zu schreiben, als ich es ursprünglich geplant hatte.

Zuerst möchte ich euch von einem Feedback aus meinem persönlichen Umfeld erzählen: Ein Freund von mir, der selber Kinder hat, war über die Maßen erstaunt, dass bereits Kinder im Grundschulalter Vorurteile gegenüber dicken Menschen haben. Er hatte nicht gedacht, dass man diese anhand von beruflichen Zuordnungen fest machen und somit sichtbar machen kann.
Dieser Freund erzählte mir weiter, dass er sich selber noch nie intensiv mit dem Thema Bodyshaming auseinandergesetzt hat.
Ich sagte ihm, dass ich davon ausgehe, dass seine eigenen Kinder die gleichen Gedanken und Assoziationen zu übergewichtigen Menschen haben.
Da er niemals selber dick war, nahm er an, dass Kinder eher positive Eigenschaften dicken Menschen zu sprechen würden, da die eigene Oma meist auch übergewichtig sei. Seiner Meinung nach hätten Kinder eher positive Verknüpfungen übergewichtigen Menschen.

Meine Einschätzung

Ich will dieses Beispiel anhand dieses Freundes und seine Einschätzung dazu gar nicht werten. Vielmehr ist mir wichtig, dass auch Eltern ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass ihre Kinder bereits in jungen Jahren die Informationen aus ihrer Umwelt aufsaugen und verinnerlichen.
Das heißt, dass das Körperbild, was wir von uns haben, bereits im Kindesalter festgelegt wird, dadurch was unsere Umwelt, die Eltern, Freunde von den Eltern, Verwandte, die Kindergärtnerin, der Kinderarzt oder das Fernsehprogramm transportieren.

Jede Bemerkungen über zufällige Menschen auf der Straße, jedes Unwohlsein mit dem eigenen Körper und jede Figur im Zeichentrick spielen eine Rolle in der Meinungsfindung und in dem Selbstbild von Kindern.

Mir ist es daher wichtig, ein Bewusstsein zu schaffen, über das, was wir sagen und wie wir uns verhalten. Wie wir beurteilen, urteilen und verurteilen.

Denn diese Gedanken zum eigenen Körper bestimmen maßgeblich die Lebenswelt von uns allen. Keiner kann sich davon frei machen, kritisch gegenüber im eigenen Körper zu sein. Das Ziel, sich selber zu optimieren, ist ein ständiger Begleiter. Egal ob in einer Size Zero oder in einer Plus Size.

Bei manchen Menschen führt das dazu, dass sie andere Menschen aufgrund ihres Aussehens diskriminieren, hänseln, mobben oder einfach nicht die gleiche Chancen zugestehen wie sich selber.

Bei den meisten jedoch hinterlässt es den Gedanken, nicht gut genug zu sein wie man ist. Man will lieber einem Idealbild entsprechen. Diese Gedanken haben so viel Macht über denjenigen, die sieht denken. Diese Gedanken unterbinden Potentiale und binden Energien, die nicht für andere Sachen genutzt werden können.

Die Meinung der Öffentlichkeit und andere Menschen wird wichtiger als die eigene. Oder noch fataler sie wird zur eigenen. Die Diskrepanz zwischen dem, was wir sind und unseren Erwartungen, von dem was wir sein könnten, wird immer größer.

Wohin kann das führen?

Wenn wir nur das Thema Gewicht betrachten, passiert es einigen, dass sie aufhören zu essen. Wieder anderen, dass sie brechen und wieder anderen, dass sie fressen. Wir sprechen dann Magersucht, Bulimie oder Adipositas.

Diese Krankheitsbilder entstehen nicht dadurch, dass der oder die Betroffene sich dazu entschließt, seine Gefühle und Emotionen mit Essen zu verarbeiten, sondern aus einem inneren Drang, einer Hilflosigkeit heraus, die kognitiv nicht bestimmbar ist.

Natürlich entwickeln nicht alle, die ihren Körper kritisch betrachten, gleich eine Esstörung. Das Gefühl nicht zu genügen und nicht gut genug zu sein, wie man ist, kann auch ganz andere Auswirkungen haben.

Es schafft eine Unzufriedenheit und dieser kann sich in Neid, Frustration oder Hass zeigen. Bei anderen kommt er als Kleinheitsgefühl, Harmoniesucht oder Angepasstheit zum Vorschein.

Manche ritzen sich, manche betäuben sich, manche scheuen sich davor Verantwortung zu übernehmen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu weit ausholen. Vielmehr möchte ich darauf hinweisen, dass die Gedanken und die Urteile, die wir denken und fällen, eine Wirkung haben. Sie prägen das Bild von uns. Sie beeinflussen das Bild, was andere von sich haben. Und sie beeinflussen die Bilder, die Kinder von sich und ihrer Umwelt entwickeln.

Darum ist es mir so wichtig, darauf hinzuweisen, dass jeder eine Verantwortung hat für sich und seine Mitmenschen.

Was bedeutet Body Positivity?

Den Kritikern, die dann sagen: „Massives Übergewicht ist aber nicht gut für die Gesundheit“, möchte ich zustimmen. Jedoch ist dies nicht der Punkt bei der Diskussion von Body Positivity. Bei Body Positivity geht es darum, sich selber zu mögen und akzeptiert zu werden, wie man ist und aussieht und leben möchte.

Frei nach dem Motto „leben und leben lassen“. Denn tolerant sind wir als Gesellschaft erst dann, wenn wir die Andersartigkeit und die Vielseitigkeit der Menschen unserer Gesellschaft akzeptieren und respektieren und nicht, indem wir nur dem zustimmen, was uns gleich ist. Toleranz erfordert dabei auch ein Aushalten von Lebensentwürfen, die dem eigenen fremd sind. Body Positivity setzt sich dafür ein, dass Schönheit eine individuelle Entscheidung ist und verschiedene Körperformen alle ihre Berechtigung haben. Body Positivity geht es nicht darum, ein Körperbild zu bewerben, es besser darzustellen als ein anderes.

Es geht um Selbstliebe und Toleranz. Und dafür setze ich mich ein.

Diskutiert mit mir!

Wie fandet ihr den Beitrag von Puls? Teilt ihr meine Meinung oder seid ihr anderer Meinung? Wie geht es euch ein Thema Body Positivity und Bodyshaming? Hat euch das Ergebnis und die Reaktion auf die Umfrage aus dem Beitrag überrascht, geschockt oder nicht weiter verwundert?

 

Bildquellen: PULS // Bayerischer Rundfunk

 

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One Reply to “Ahoi // Body Positivity vs. Bodyshaming (PULS Reportage)”

  1. […] wisst ja, dass ich vor einiger Zeit Besuch vom Bayerischen Rundfunk bekommen habe und zum Thema Body Positivity für die Sendung PULS interviewt worden bin. Daraus ist dann ein wie ich finde toller und interessanter Beitrag geworden, […]

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